Hain


Foto: Gemeinde Langenwetzendorf

Sagen der Region - eine Spurensuche: Ein regelrechter Kult soll in dem Dorf an der Leubatalsperre betrieben worden sein. Dr. Frank Reinhold, OTZ- Sagenexperte, hat sich mit den angeblichen Opferstätten der Sage auseinandergesetzt. Bevor das Christentum Einzug im Landkreis Greiz hielt, und auch noch eine ganze Weile danach, glaubte man an viele verschiedene heidnische Götter. Rudolf Schramm berichtet von einem in seinem Sagenheft "Die Mühle unter der Teufelskanzel". Demnach war der Ort Hain an der heutigen Leubatalsperre und die Umgebung einem Gott gewidmet, der, wie könnte es anders sein, auch Hain hieß.

Was genau das für ein Gott vermutlich einer des Waldes war, ist nicht überliefert. Dafür aber, dass um diese Gottheit ein regelrechter Kult betrieben wurde. Bei Hain selbst liegt, auch heute noch, ein Waldstück (ein heiliger Hain), in dem das Abbild des Gottes gestanden haben soll. Auch die heute als Teufelskanzel bekannte Felsformation an der Leubatalsperre war in die Kultstätte eingebunden. Doch nicht nur das: Unserem Gott Hain ging es gut. Die für die Opferzeremonie notwendigen Ochsen und Kühe kamen aus den Nachbarorten Hainsberg (südlich von Hain gelegen) und Kühdorf (im Osten). In Göttendorf bei Langenwetzendorf wurden Götzenbilder des Gottes hergestellt. Vielleicht wollte man damals auch schon ein Andenken von der Pilgerfahrt mit nach Hause nehmen.


Foto: Gemeinde Langenwetzendorf

Viel mehr gibt die Sage leider nicht her. Auch wie die angeblichen Opferhandlungen abliefen, wird nicht gesagt. Ein Blick in die "Germania" des berühmten Historikers Tacitus (58 bis 120 n. Chr.) könnte da vielleicht einen Anhaltspunkt geben. Der Römer berichtet von den Sueben, einem Germanenstamm. "Zu einer festgesetzten Zeit kommen in einem Wald, heilig durch Weihung der Väter und Ehrfurcht heischendes Alter, alle Völkerschaften desselben Blutes durch Gesandtschaften zusammen, opfern im Namen der Gesamtheit einen Menschen und begehen dann die schauervolle Feierlichkeit eines barbarischen Gottesdienstes", heißt es hier. Ob es in Hain auch so schauerlich abgelaufen ist, darf bezweifelt werden, schließlich hatte man ja Kühe aus Kühdorf. Dr. Frank Reinhold, OTZ-Sagenexperte, hat folgendes über die angeblichen Opferstätten der Sage herausgefunden: Der Gott Hain der Sage ist natürlich ein reines Fantasiegebilde. Die in der Sagensammlung Rudolf Schramms zu findende Erklärung des Wortes Hain als eine umzäuntes Anlage, ein eingehegter Wald ist völlig richtig. Als Hain bezeichnete Flurstücke können durchaus in einigen Fällen bereits bei den germanischen Völkern heilige Plätze gewesen sein.Hain wurde 1462 erstmalig urkundlich erwähnt. Der Name weist auf eine deutsche Gründung hin, die auch durch Ortsbild und Flurlage bestätigt wird. Eine Sage berichtet, hier habe sich ein Tempel des heiligen Hains der Heiden befunden.Tatsächlich handelt es sich um ein geschütztes Bodendenkmal einer früheren Turmhügelburg aus dem 13. Jahrhundert. Der Tempel von Hain ist das Symbol für den kleinen Ort. Er liegt nördlich von Hain, ca. 50 m rechts des Weges nach Lunzig, links des Kühbaches. Der Tempel ist eine frühdeutsche Wallanlage, die etwa 12./13. Jahrhundert errichtet wurde. In die Mitte der Tempelanlage wurde ein Erdturm gebaut, der von Palisaden und einem Graben umgeben war. Als Rittersitz kann er den Weg nach Hain und Lunzig geschützt haben. Heute existiert nur noch ein Hügelrest von 8 mal 4 Meter Ausdehnung mit drei alten Bäumen inmitten einer Wiese. Von Hain erreicht man bei einem Spaziergang am Ostufer der Leubatalsperre nach wenigen 100 Metern ein geschütztes Bodendenkmal, das Kaulicht mit der Teufelskanzel, wo der Teufel zu den Heiden gepredigt haben soll. Der ortsansässige Verein „Neptun-Verein Hain e.V." pflegt in Zusammenarbeit mit der Gemeinde das Ufer der Leubatalsperre, eine Liegewiese läd zum Verweilen ein. Ein Bootsverleih erweitert das Freizeitangebot. Seit 1999 können auch Floßfahrten auf der Leubatalsperre unternommen werden.